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Novembermädchen

Eine lange aber unheimlich kraftvolle Geburtsreise. Die Eltern heißen ihr erstes Kind in ihrer Wunschklinik willkommen. Ein zauberhafter und sehr ausführlicher Geburtsbericht. Schön, dass es dich gibt, kleines Novembermädchen.

Der errechnete Geburtstermin war der 01.11., wobei niemand mit dem Datum als Geburtstermin gerechnet hatte. Wie viele Kinder kommen schon am ET auf die Welt? Aber unsere Kleine hatte ihren eigenen Plan und entschieden, sich am 01.11. langsam auf den Weg zu machen. Die ersten für mich wahrnehmbaren Wellen haben sich in der Nacht zum 01.11. bemerkbar gemacht, durch 4-5 maliges intensives Zusammenziehen des Bauches. Ich habe diese als Übungswellen abgetan. Doch auch Stunden später am Tag, spürte ich dann immer wieder Wellen, die sich als nicht unangenehmes Ziehen im Bauch zeigten. Teilweise unterbrach ich meine Tätigkeiten, musste kurz innehalten und nutzte die Wellenatmung erfolgreich. Gegen 15 Uhr wurden die Wellen regelmäßiger und wir haben über die Handystoppuhr begonnen, die Wellen zu tracken. Gegen 17 Uhr riefen wir im Kreißsaal an und beschrieben die regelmäßigen Abstände der Wellen von etwa 5-6 Minuten. „Packen Sie in Ruhe zusammen und kommen Sie dann“ war die Ansage. Ich habe nochmal geduscht, mich frisch gemacht und meine Sachen in Ruhe zusammengepackt. Nachdem wir unsere Eltern informierten, dass es nun los geht, fuhren wir gegen 18 Uhr los. Wir waren aufgeregt und die Stimmung im Auto war entspannt bzw. gut, so dass ich meine Geburtsplaylist mit meiner Lieblingsmusik abspielte.

Etwa eine halbe Stunde später klingelten wir am Kreißsaal und mussten uns über die Sprechanlage anmelden. Nachdem wir kurz gewartet hatten, kamen wir im CTG Raum an. Unsere Stimmung war gelassen und eher freudig aufgeregt. Im Anschluss des CTG´s fand im Kreißsaal eine Untersuchung mit einer Hebamme statt, die uns sagte, dass der Muttermund 2 cm geöffnet war und das Baby erst morgen zur Welt kommen würde. Wir sollten entscheiden, ob wir nochmal nach Hause fahren wollen oder bleiben. Gegen 20 Uhr fuhren wir zurück nach Hause. Die Wellen wurden intensiver und ich versuchte sie durch die Wellenatmung zu veratmen, was mir gut gelang. Zur weiteren Entspannung habe ich ein Bad genommen, was mir sehr gut getan hat. Ich hatte dann allerdings keine Lust mir einen Film anzuschauen, noch die Regenbogenentspannung zu machen oder Musik zu hören. Zwischendurch machte ich die Augen zu (ich war ziemlich müde) und atmete mit der Wellenatmung. Gegen 00:30 Uhr  fuhren wir erneut zum Kreißsaal, als die Wellen intensiver wurden und mein Gefühl mir sagte, sich auf den Weg zu machen.

Am 02.11. kamen wir gegen 01 Uhr im Kreißsaal an. Dieser war sehr voll belegt, wodurch das Personal stark eingespannt war und wir verbrachten viel Zeit (1,5 Stunden) im CTG Raum. Dort hörten wir ziemlich laute stöhnende Geräusche von anderen Frauen und um mir damit mein positives Mindset nicht zu vernebeln, hörte ich während dem CTG die Regenbogenentspannung und veratmete weiter die intensiver werdenden Wellen. Unsere Stimmung war weiterhin entspannt. Um ca. 03:00 Uhr durften wir in den Kreißsaal gehen, wo ich durch eine Hebamme untersucht worden bin. Der Muttermund war zu diesem Zeitpunkt bei 6 cm. Die Hebamme sagte, wir sollen weiter so arbeiten wie bisher – ich solle das tun, was mir gut tue (duschen, bewegen, wenn sitzen – auch das). Die intensiver werdenden Wellen versuchte ich weiter mit der Wellenatmung und Tönen zu veratmen. Am besten ging es mir dabei auf der Bettkante sitzend und in dem ich mich am Seil, welches über dem Bett hing, festhalten bzw. hochziehen konnte. Die Nachtstunden waren ziemlich hart zu überbrücken: weniger aufgrund der intensiver werdenden Wellen und dem Gefühl des Ziehens als vielmehr die Müdigkeit, Dunkelheit, der Blick auf die Uhr und „nichts zu tun zu haben“. Allerlei vorbereitete Entspannung (ich hatte in den letzten Wochen intensiv und täglich die Regenbogenentspannung durchgeführt), Musik und Notizen, wollte ich mir in der Zeit nicht anhören/ ansehen. Mir war überhaupt nicht danach.

Um ca. 06 Uhr wurde ich erneut durch eine Hebamme untersucht. Der Muttermund war weiterhin bei 6-7 cm und ich war frustriert, dass sich scheinbar nur so wenig tat, obwohl ich das Gefühl hatte gut mit den Wellen umzugehen. Die Hebamme äußerte vorsichtig die Idee, evtl. bald die Fruchtblase zu öffnen, um den Vorgang zu beschleunigen. Sie wies uns an, weiterzumachen wie bisher, was wir auch taten. Mir wurde ein CTG angelegt, welches für eine sehr lange Zeit befestigt blieb. Das CTG nervte mich, da es immer wieder verrutschte und mich in meinen Bewegungen hinderte. Wir ließen es abnehmen (mit Hilfe des Hypnobirthing Kurses bzw. der daraus entwickelten Haltung, konnte ich selbst gut einschätzen, was aktuell wichtig war und ich brauchte).  

Ab 09 Uhr begrüßte uns „unsere“ Hebamme, die ab dann zuständig für uns war und uns engmaschiger begleitete. Ich war sehr froh, denn sie wirkte sehr sympathisch und strahlte eine ungemeine Ruhe aus. Auch sie verwies auf die Idee, im Verlauf die Fruchtblase zu öffnen, in der Hoffnung den Geburtsvorgang zu beschleunigen. Der Muttermund war weiterhin ca. 6-7 cm geöffnet. Sie empfahl uns, die Position zu wechseln, um den Muttermund weiter zu öffnen und verwies auf eine stehende Position (stehend mit dem Oberkörper vornüber auf das Bett gelehnt). Da direkt eine Welle kam, probierten wir die Position „stehend, mit dem Oberkörper auf der Bettkante abgestützt“. Dabei musste von hinten mein Bauch gestützt werden, da es sonst ziemlich unangenehm in den Bauch zog. Mein Mann übernahm dann bei jeder Welle die Haltung/ leichte Druckbewegung des Bauches von hinten parallel zu meiner Atmung. Diese Position haben wir für ca 1 / 1,5 Stunden übernommen. Nach einer erneuten Untersuchung war der Muttermund bei ca. 9 cm Öffnung. Allerdings war der Muttermundsrand nun geschwollen (scheinbar durch die „gute“ Arbeit durch den Positionswechsel und den schnellen Druck nach unten ins Becken). Durch diese Schwellung könnte es eine „Barriere“ fürs Köpfchen während der Endphase geben.

Um ca. 10:30 Uhr wurde mir auf Empfehlung unserer Hebamme ein Zugang gelegt, um mit einem Buscopan Tropf gegen die Schwellung des Muttermundes zu arbeiten. Der Zugang wurde mir durch die sehr sanftmütige sympathische Oberärztin gelegt, die uns wie die Hebamme auch bis zum Ende der Geburt begleitete und sehr einfühlsam und nett war. Mir wurde nahegelegt, eine neue Position einzunehmen, um gegen die Schwerkraft zu arbeiten (Kopf drückt nach unten, Schwellung wird größer) und den Druck vom Muttermundsrand zu nehmen. Ich schaffte es - trotz schwindender Kräfte aufgrund einer Erkältung, Müdigkeit, Langwierigkeit - eine halbe Stunde auf dem Bett in der Eisbärposition zu verbleiben (Becken hoch, Arme runter). Meine Beine zitterten vor Erschöpfung, aber ich hielt durch. Um ca. 11 Uhr wurde ich erneut untersucht und die Schwellung war leicht zurückgegangen. Der Muttermund war bei 10 cm Öffnung und die Fruchtblase wurde geöffnet. Diese entleerte sich tröpfchenweise auch unter der weiteren Geburt.

Ab diesem Zeitpunkt wurden die Wellen nochmal intensiver und der Druck Richtung Beckenboden deutlich größer. Unsere Hebamme als auch einen kurzen Moment später die Ärztin, waren von da an durchgehend bei uns. Ich konnte nichts anderes tun, als den Druck nach unten mitzugehen. Die Wellen waren sehr intensiv (was ich mir nicht so stark vorgestellt hätte) und ich versuchte die Geburtsatmung anzuwenden (kurzes Einatmen und langes Ausatmen nach unten zu unserer kleinen Tochter). Zwischenzeitlich schien mich der Druck zu überrennen und es war ein komisches Gefühl, dem Druck und den sehr intensiven Wellen nicht ausweichen zu können. Also versuchte ich sie anzunehmen, weiter intensiv zu atmen – um auch unser Baby gut zu versorgen – und meinen Körper so zu unterstützen. Dies hatte ich mir in der Vorbereitung auf die Geburt einfacher vorgestellt, so dass ich die Wellen/ den Druck besser durch meine Entspannung aushalten könnte.

Wir versuchten verschiedene Positionen auszuprobieren, um die letzte Geburtsphase gut zu nutzen: seitlich liegend, seitlich liegend mit einem Hocker als Beinstütze, im Kniestand mit dem Oberkörper auf der aufgestellten Bettkante (was letztendlich auch die finale Geburtsposition war). In dieser Phase schwand meine Kraft mehr und mehr und die Wellen wurden weniger intensiv (nicht laut meinem Gefühl, aber nach der Kraft zum Mitschieben zu beurteilen). Ich bekam einen Wehentropf angelegt, was ich gemäß meiner Geburtswünsche eigentlich vermeiden wollte, um die Geburt so natürlich wie möglich zu halten. Aber um eine PDA oder anderweitige unterstützende Maßnahmen (wie Saugglocke, Geburtszange, starke Medikamente, Kaiserschnitt) zu vermeiden, nahm ich den Tropf an und nahm auch nochmal alle Kraft zusammen. Mein Mann sagte später, dass er das Gefühl hatte, dass ich durch das Anlegen des Wehentropfes nochmal motiviert schien, dem zu trotzen und aus eigener Kraft die Wellen zu schaffen. Zudem wurde der Wehentropf (was ich aber nicht mitbekam) zunächst gar nicht genutzt und später nur sehr gering dosiert – vielleicht diente er doch als Motivationsstrategie?

In der letzten ¾ Stunde schaffte ich es unsere Tochter durch mein Becken zu begleiten. Die Hebamme leitete mich an, den Druck der Welle nach unten zu atmen, in dem ich die Luft anhalten, das Kinn auf die Brust drücken und dann die Kraft nach unten schieben sollte. Ich versuchte immer wieder an die Visualisierungen zu denken, was mir nicht durchgängig gelang. Diese Phase erschien mir sehr anstrengend und auch sehr stark druckintensiv, denn ich bekam aufgrund der Erkältung kaum noch Luft und schaffte oftmals nur 2 Atemzüge während einer Welle und nicht 3. Die Geburtsposition war letztendlich der im Bett aufgerichtete 4-Füßler-Stand. Während der Wellenpausen sollte ich mich aufrichten. Das Köpfchen konnte ich durch einen sehr starken Druck durch den Geburtskanal spüren. Ich nahm alle Kraft zusammen und schob mit der Welle alles was ich konnte nach unten. Ich äußerte die Sorge, dass etwas reißen könnte und die Hebamme hielt mir eine erwärmte Binde an meinem Damm. Dies entspannte mich. Die Hebamme fragte mich, ob ich das Köpfchen ertasten wolle – was ich wollte und auch tat. Ein erstes unbeschreibliches Gefühl, denn unser Baby war bald da. Unsere Hebamme half mir mein Oberteil auszuziehen und ich wusste, dass es nicht mehr lange dauern konnte. Beide Geburtshelfer als auch mein Mann motivierten mich weiter und sagten mir immer wieder, wie wunderbar ich das machen würde. Ich wiederum äußerte, dass ich nicht mehr könnte und keine Kraft mehr hätte. Mein Mann motivierte mich weiter, bot mir immer wieder die Regenbogenentspannung/ Musik an und unsere Hebamme sagte mir, dass es nur noch 2-3 Wellen dauern würde, dann wäre unser Baby da.

Mit den letzten sehr intensiven Wellen, habe ich zuerst den Kopf von unserer Tochter geboren. Es war ein unbeschreibliches Gefühl zu spüren, wie der Kopf von ihr herauskam. Ich spürte wie der Kopf zwischen meinen Beinen hing. Mein Mann konnte ihn von der Bettkante (er stand bei mir am Oberkörper) durch meine Beine sehen. Er sah auch, wie sich die Ärztin schon mit Handtüchern bereitstellte, und ihm war klar, dass sie bald da war. Er hatte Tränen in den Augen. Nun wollte ich, dass es schnell geht, damit unsere Tochter nicht lange in der Position verbleiben musste (irgendwie hatte ich die Sorge, dass es ihr mit dem hängenden Köpfchen zwischen meinen Beinen nicht gut geht). Mit den nächsten wenigen Wellen und der guten Anweisung der Hebamme und Ärztin (wohin ich den Druck mit meiner Atmung schieben sollte und dass ich vertrauen/ loslassen solle) wurde unser Baby geboren. Ein letzter sehr intensiver Druck, der nachließ, in dem ihr kleiner Körper aus mir glitt – ein wahnsinniges Gefühl aus Erleichterung und langsam sich einstellendem Glücksgefühl. Unser erstes Baby war da! Sie lag zwischen meinen Beinen, wimmerte kurz ganz sanft und ich kniete über ihr. Mit zitternden Knien war ich total verunsichert was ich tun sollte, da ich Angst hatte, aus lauter Erschöpfung auf sie zu fallen. Beide Geburtshelfer ließen die Kleine erstmal zwischen meinen Beinen liegen, um mir die Chance zu geben, sie selbst aufzunehmen. Als ich aber ganz erschöpft fragte, was ich tun solle, halfen sie mir mich umzudrehen und hinzulegen (mit dem Zugang und der Nabelschnur nicht so leicht). Sie legten mir unsere Tochter direkt auf meinen nackten Oberkörper. Sie war mit Handtüchern bedeckt und lag Haut an Haut auf mir. Wir Drei konnten ausgiebig bonden – ein unbeschreibliches Erlebnis.

Unsere Kleine hat nicht geweint als sie geboren wurde oder auch später auf mir lag. Sie wirkte total neugierig und gespannt. Nach den ersten Minuten schaffte sie es sogar an meiner Brust anzudocken und ihre erste Milch zu trinken. Erst in diesem Moment realisierte ich gerührt, dass unsere Tochter geboren war und ich konnte ein paar Tränen verdrücken. Mein Mann stand rechts neben uns, ganz nah und war auch ganz gerührt. Wir konnten es kaum glauben. Während wir die ersten Momente genossen und nachdem die Nabelschnur (ziemlich schnell) auspulsiert war, wurde diese abgeklemmt und mein Mann durchtrennte sie. Vorher fassten wir die Nabelschnur noch einmal an, welche eher gummiartig und fest war. Als nächstes kam die Nachgeburt und die Plazenta war mit wenigen Atemzügen und nach unten schiebenden Druck geboren. Sie war etwa handballgroß und ein gut versorgtes rotes Organ. Wir entnahmen die Proben für die Globuli und ich schluckte ein erbsengroßes Stück davon (inspiriert durch den Hypnobirthing Kurs). Im Anschluss versorgte die Ärztin meine minimalen Geburtsverletzungen (kleine Schürfwunde). Sowohl die Ärztin als auch die Hebamme waren begeistert von meinem weichen entspannten Gewebe unter der Geburt und dass somit weiteren Verletzungen vorgebeugt werden konnte (ich bin davon überzeugt, dass dies an der guten Hypnobirthing-Vorbereitung und Entspannung bzw. positivem Mindset unter der Geburt lag).

Die Sauerstoffversorgung von unserer Tochter war unter der gesamten Geburt dauerhaft in Ordnung, was mich im Nachhinein sehr stolz macht bzw. wofür ich sehr dankbar bin, sie über meine bewusste Atmung so gut versorgt zu haben. Ich bin dankbar im Nachhinein immer mehr stärkende Momente der Geburt bewusst zu haben …

-dass ich es trotz Erkältung/ schwindender Kraft aufgrund des langen Geburtsprozesses ohne PDA etc. geschafft habe, unsere Kleine gesund zu gebähren

-dass unser Baby in entspanntem Zustand zur Welt kam (gesund, neugierig aufgeweckt – nicht weinend, direkt angedockt hat und sich seit der Geburt super entwickelt)

-dass durch die Vorbereitung mit dem Hypnobirthingkurs mein Vertrauen in mich und meine Intuition deutlich gestärkt wurde (ich hatte während der gesamten Geburt keine Sorgen, Ängste) und wir können somit beide von einer angstfreien Geburt sprechen. Dies hat sich auch auf die Schwangerschaft ausgewirkt, denn ich war in meiner Haltung (z.B. der Frauenärztin gegenüber) viel klarer und habe meinem Körper noch mehr vertraut. Die Schwangerschaft verlief beschwerdefrei.

-dass ich mich über die Entspannung/ Visualisierung für die Geburt gut gestärkt gefühlt habe (auch wenn ich unter der Geburt die Regenbogenentspannung nur einmal genutzt habe)

-dass ich es geschafft habe, mir über Hypnobirthing ein starkes und positives Mindset aufzubauen und darüber dem Prozess der Schwangerschaft/ Geburt zu vertrauen

-dass wir zu Zweit (mein Mann und ich) über den Hypnobirthingkurs viel wertvolles und beruhigendes Wissen für die Geburt erlangt haben und dementsprechend unsere Wünsche erarbeiten und kommunizieren konnten

Wir sind nach wie vor unendlich dankbar und glücklich uns mit dem Hypnobirthing Kurs vorbereitet zu haben und darüber eine so wunderschöne und echte Geburt erlebt zu haben!

 

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