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Willkommen Zuhause - ein Hausgeburtsbericht

Unsere Hausgeburt - So ist unser 4. Kind zur Welt gekommen.

Die Geburt unseres vierten Kindes hat Zuhause stattgefunden, in der Badewanne. Nach 3 wunderschönen Klinikgeburten im Hebammenkreißsaal wollten wir unser letztes Kind Zuhause willkommen heißen.


Dienstag, irgendwann im März, gegen 17:30 Uhr. Nachdem die drei großen Jungs mit dem Papa den Nachmittag noch auf dem Spielplatz verbracht hatten, herrschte bereits großer Abendbrot Hunger. Obwohl etwas sehr früh gab es zum Abendessen Brötchen und um ca. 18:30 Uhr waren auch alle satt. Wie das nun mal so ist, wenn 5 Personen Brötchen essen, das Wohnzimmer musste ich noch krümelfrei saugen und auch den Spielplatzsand im Flur musste ich dringend loswerden. Während ich staubsaugte, bemerkte ich ab und zu die ersten Wellen, nicht besonders intensiv und auch nur ziemlich kurz, aber spürbar. Ich guckte also auf die Uhr und stellte fest, Wellen alle 2-3 Minuten, aber nur 30 Sekunden lang. Damit kommt kein Baby auf die Welt dachte ich mir, also saugte ich weiter die Wohnung und machte bei jeder Welle eine kurze Pause, um ruhig in die Wellenatmung zu gehen. Mein Mann sah das und fragte, ob sein Wunschdatum der Geburtstag von unserem vierten Sohn wird. Ich sagte ihm, die Wellen seien nur sehr kurz und auch nicht besonders stark. Vielleicht geht es langsam los, aber vielleicht braucht der Kleine auch noch ein bisschen Zeit.

Um kurz vor 19 Uhr beschloss ich in die Badewanne zu gehen. Ich wollte den Badewannentest machen, um zu sehen ob die Wellen vielleicht stärker werden. Meinem Mann sagte ich, dass er die Jungs schonmal fertig machen kann fürs Bett und sie dann auch langsam schlafen gehen sollten. Ich nahm mein Handy mit ins Badezimmer und entspanne mich, während ich die Hypno Birthing Meditation hörte. Die Wellen wurden zwar länger, aber nicht stärker und hatten plötzlich einen Abstand von 6 Minuten. Also wohl erstmal keine Geburt heute Abend, dachte ich, blieb aber noch in der Badewanne und konnte mich richtig gut entspannen. Das Licht hatte ich gedimmt und meine Affirmationskarten standen sichtbar für mich bereit. Mein Mann kam während der ins Bett bring Aktion mehrmals ins Bad und fragte wie es mir geht. Seit ungefähr 20 Uhr kamen die Wellen wieder in einem kürzeren Abstand von 3-4 Minuten und vor allem, sie wurden stärker. Ich atmete entspannt weiter und insgeheim hoffte ich, dass der Kleine vielleicht doch noch in dieser Nacht geboren werden würde. Ich fühlte mich sehr wohl im warmen Wasser und war in einer angenehmen, tiefen Entspannung. Ich spürte immer wieder in mich hinein und war gedanklich nochmal bei all meinen vorangegangenen Geburten. Zwischendurch lies ich immer wieder etwas warmes Wasser in die Badewanne und bewegte mich so, wie es sich für mich gut angefühlt hat. Mal stand ich auf, mal hockte ich auf den Knien. Die meiste Zeit über lag ich aber ganz ruhig im Wasser und lauschte der Meditation. Um 20:40 Uhr waren dann alle 3 Kinder im Bett und im Land der Träume. Mein Mann blieb ab jetzt bei mir im Badezimmer und leistete mir Gesellschaft. Ich redete kaum und war irgendwo in meiner Geburtswelt. Aber es war wunderbar die Hand meines Mannes zu halten und ihn an meiner Seite zu wissen.

Mein Mann fragte mich gefühlt im 2 Minuten Takt, ob er unsere Hebamme anrufen soll, etwas vorbereiten kann, oder ob ich etwas trinken möchte. Mit jeder Frage kam ich raus aus der Entspannung, sodass ich ihn um 20:50 los schickte, um irgendetwas vorzubereiten, nur um nicht mehr angesprochen zu werden. Er war froh etwas tun zu können und legte Handtücher bereit und Malervlies auf dem Bett aus. Um ca. 21:10 fragte er nochmal ob er die Hebamme anrufen soll. Er war sich sicher, dass es nicht mehr lange dauern würde. Ich wurde wohl unruhiger im Wasser und atmete auch anders und tönte leise mit den Wellen. Selbst bemerkte ich davon nichts und war immer noch sehr entspannt und zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht sicher, ob die Geburt noch heute oder erst nach Mitternacht passieren würde. Ich hatte zwar intensive Wellen, aber kein Zeitgefühl mehr. Ich war völlig in meiner eigenen Welt. Die Hebamme wollte ich erst dazu rufen, wenn ich an dem Punkt bin, an dem ich eigentlich in die Klinik gefahren wäre, wenn wir eine Klinikgeburt geplant hätten. Der Punkt kam aber nicht. Ich fühlte mich die ganze Zeit wohl und entspannt. Die Wellen waren stark, aber nicht schmerzhaft und vor allem nicht so herausfordernd wie bei den anderen Geburten. Ich dachte zu diesem Zeitpunkt mein Sohn würde noch ein paar Stunden auf sich warten lassen.

Die letzten 5 Minuten wurden dann aber doch plötzlich sehr unbequem. Ich fühlte mich in der Wanne liegend nicht mehr wohl und mein Mann fragte, ob ich nicht mal in den 4-Füßlerstand wechseln wollte. In dem Moment überkam mich eine heftige Welle und ich stellte mich instinktiv hin, hielt mich an der Duschkopfstange fest und sagte zu meinem Mann nur, dass er gleich das Kind auffangen müsste, das würde nämlich jetzt gleich geboren. Seine Antwort war ganz ruhig und nüchtern, dass er den Kopf schon sehen könnte. Der Druck nach unten wurde unglaublich stark und 2 Geburtswellen später, um 21:19 Uhr hielt mein Mann unseren vierten Sohn in den Händen. Er wickelte die Nabelschnur noch vom Hals ab, während das Baby schon laut zeigte, dass es jetzt da war. Mein Mann reichte mir mein Kind durch die Beine und half mir aus der Badewanne raus. Ich war völlig verwirrt von der rasanten Geburt und sagte meinem Mann nur, dass er jetzt die Hebamme anrufen könnte. Mein Mann half mir dann ins Bett, deckte uns beide gut zu und rief die Hebamme an, während ich mit meinem vierten Wunder kuschelte.

Es ging mir und dem Baby super! Wir waren alle etwas überrascht von der ungeplanten Alleingeburt, aber vor allem unendlich glücklich. Auf meine Brust gekuschelt wurde mein Sohn direkt ruhiger und schaute mich mit großen Augen an. Ein Moment, den ich bei allen Geburten nie vergessen werde! Da ist auf einmal ein neuer Mensch, winzig, nass und unfassbar weich. Etwa 10 Minuten nach der Geburt kam unsere Hebamme, die sich genauso über diese tolle Geburt freute wie wir das taten. Ein paar Momente waren wir alle einfach so in unserem Schlafzimmer, ganz still und staunten. Mein kleinster Sohn suchte schnell von alleine nach der Brust und wir stillten ein erstes Mal. Nachdem dann etwa eine halbe Stunde später auch die Plazenta geboren war, half mir meine Hebamme noch beim Duschen und untersuchte mich auf Geburtsverletzungen, es waren keine da. Kurz danach weckten wir unseren Großen. Er hatte sich gewünscht die Nabelschnur durchzuschneiden und tat das, ganz professionell mit Hilfe unserer Hebamme. Im Anschluss half er noch bei der Inspektion der Plazenta und der U1 des kleinsten Bruders, er war mächtig stolz auf unser neues Familienmitglied. Nach ungefähr 2 ½ Stunden verabschiedete sich unsere Hebamme wieder und wir verabredeten uns für den nächsten Vormittag und ihren ersten Wochenbettbesuch. Mein Mann und ich kuschelten noch ausgiebig mit unserem kleinen Wunder und freuten uns schon auf das erste Kennenlernen mit den anderen Kindern und über unsere nun komplette Großfamilie.

Es hätte für uns alle nicht schöner sein können und ich bin unendlich dankbar für diese tolle Hausgeburt und meinen tollen Mann und Geburtshelfer. Für uns war es die richtige Entscheidung unser Kind Zuhause auf die Welt zu bringen.


Unser 4. Kind ist bei einer UNGEPLANTEN Alleingeburt auf die Welt gekommen. Die gesamte Schwangerschaft über war ich gut durch meine Gynäkologin und vor allem meine großartige Hausgeburtshebamme versorgt, die auch 10 Minuten nach der Geburt bei mir war. Ich hätte niemals auf sie verzichten wollen und war in jeder meiner Schwangerschaften glücklich mich gut durch eine Hebamme versorgt zu wissen. Gleiches gilt für die Geburten und natürlich auch das Wochenbett. Auch wenn mein Sohn hervorragend ohne Hilfe auf die Welt gekommen ist, möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich von einer Alleingeburt abraten! Dies war zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt und auch jetzt würde ich niemals eine Geburt ohne Hebammenhilfe planen oder zukünftig als Doula begleiten!

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